Jod

Ein unterschätztes Spurenelement

Jeder kennt Jod und die meisten Menschen wissen, dass Jod für die Schilddrüse und den Stoffwechsel wichtig ist. Kropf (Struma) ist eine der deutlichsten Anzeichen für einen Jodmangel. Es gibt jedoch noch mehr Signale, die auf einen möglichen Jodmangel hinweisen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verfügt 1 von 3 Bürgern über unzureichend Jod. Viele Instanzen behaupten, dass die ungenügende Jodversorgung mit der Tatsache zusammenhängt, dass wir weniger Brot mit Jodsalz zu uns nehmen. Aber ist das wirklich so?

Einige Anzeichen für einen Jodmangel

  • Zystenbildung in der Brust, der Gebärmutter oder den Eierstöcken
  • Krämpfe (kann auch mit einem Magnesiummangel zu tun haben)
  • häufige Entzündungen (denken Sie auch bei einer chronischen Blasenentzündung an einen möglichen Jodmangel)
  • unerklärliche Gewichtszunahme
  • unerklärliche chronische Müdigkeit
  • sehr trockene Haut (aber auch trockene Augen, trockener Mund oder trockene Schleimhäute)
  • sehr mühsame oder keine Schweißbildung
  • eine schwache Magensäureproduktion bzw. zu wenig Magensäure
  • Übermaß an zähem, dickem Schleim
  • Herzrhythmusstörungen
  • kleine kirschrote Stecknadelköpfe (oft am Rumpf). Diese sind häufig Anzeichen für eine hohe Brombelastung im Körper: diese Belastung hat einen Jodmangel zur Folge.
  • Konzentrations- oder Gedächtnisverlust und verzögerte mentale Entwicklung

Selbstverständlich ist es möglich, dass oben genannte Symptome auch andere Ursachen haben können. Trotzdem bin ich immer wieder erstaunt, wenn Menschen mit unerklärlichen Herz-Rhythmusstörungen - nach einem festgestellten Jodmangel - schnell genesen nachdem der Mangel behoben wurde.


Die Funktionen von Jod im Körper

Die vielfältigen Symptome zeigen, dass Jod bei vielen Vorgängen im Körper eine wichtige Rolle spielt:

  • Jod ist für die Gehirnentwicklung und den IQ notwendig. Deshalb ist es wichtig, dass Schwangere für die Entwicklung und den IQ des Ungeborenen ausreichend Jod zu sich nehmen. Auch ADHS wird mit einem Jodmangel in Zusammenhang gebracht, weshalb das Thema Jodversorgung bei Säuglingen und Kindern weiterhin Aufmerksamkeit benötigt.
  • Jod ist essentiell für das physische und mentale Wachstum. Ein Wachstumsrückstand kann auf einen Jodmangel hinweisen.
  • Das Immunsystem braucht Jod um Bakterien, Pilze und Viren zu bekämpfen. Weiterhin ist Jod ein essentieller Stoff hinsichtlich Apoptose: Der Mechanismus, bei dem alte, beschädigte Zellen angeregt werden sich zu vernichten, damit sie keinen Schaden mehr verursachen können.
  • Das gesamte Hormonsystem wird mitunter von Jod reguliert, weil Jod über eine sogenannte Rezeptorfunktion verfügt, so dass Hormone und Neurotransmitter in der Lage sind an Zellen anzuhaften und ihre Arbeiten auszuführen.
  • Außerdem spielt Jod eine entscheidende Rolle beim Gleichgewicht der drei verschiedenen Östrogentypen. Diese drei müssen im gesunden Verhältnis zueinander stehen.
  • Zum Schluss kommt Jod eine Schlüsselfunktion beim Neutralisieren von freien Radikalen, bei der Schwermetallentgiftung und bei der Schadensbegrenzung durch radioaktive Strahlung zu.

Besteht ein Jodmangel überhaupt?

Viele Menschen glauben, dass ein Jodmangel nicht möglich ist, da Jod Bestandteil von Jodsalz und Bäckersalz ist. Auch wenn sich die Jodversorgung in Deutschland heute im unteren wünschenswerten Bereich befindet, sind laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) doch ca. 30 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend mit dem Spurenelement versorgt. Da die meisten Deutschen bereits zu viel Salz (und möglicherweise auch zu viel Brot) zu sich nehmen, scheinen Jodquellen wie Jodsalz und Brot nicht die geeignetsten Nahrungsmittel zu sein. Hinzu kommt, dass der Körper Jod aus Jodsalz nicht so gut aufnehmen kann. Um den täglichen Bedarf an Jod decken zu können, müssten wir daher viel Jodsalz zu uns nehmen. Allerdings würden wir dadurch zu viel Natriumchlorid bekommen und dies würde sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirken.


Weshalb ein Jodmangel besteht.

Einige Ursachen für einen Jodmangel:

  • Wir nehmen einfach zu wenig Jod zu uns. Die besten Quellen sind Meeresfische und Algen. Diese Zutaten stehen nicht so häufig auf der deutschen Speisekarte.
  • Menschen bevorzugen gesünderes Salz, wie z.B. Meersalz. Obwohl Meersalz im Vergleich zu raffiniertem Salz oder Jodsalz viel mehr Vitalstoffe aufweist, enthält es UNGENÜGEND Jod um einen Mangel zu vermeiden.
  • Viele Deutsche erleiden einen Selenmangel, da Selen nur wenig im Boden vorkommt. Selenmangel, aber auch Eisenmangel oder Vitamin-A-Mangel, können die Jodmangelsymptome verschlimmern.
  • Der Konsum der nachfolgenden Nahrungsmittel kann die Jodaufnahme stören:

◦  Nicht fermentierte Sojaprodukte (fermentiertes Soja - wie Miso, Tempeh und Tamari – haben diese Eigenschaft nicht);

◦  der häufige Verzehr von rohen Kohlsorten, Senf, Gartenkresse und Alfalfa;

◦  der tägliche Verzehr von großen Mengen rohen Erdnüssen, Süßkartoffeln, Maniok, Rettich und Rapsöl können einen bestehenden Jodmangel verschlimmern. Bei regelmäßigem Verzehr dieser Nahrungsmittel ist es deshalb ratsam die Jodzufuhr zu erhöhen.

  • Medikamente wie Aspirin, Warfarin, Psychopharmaka und Mesalazin erhöhen die Ausscheidung von Jod, so dass einen Jodmangel leicht entstehen kann.
  • Vegetarier, Veganer, Sportler und Raucher haben ein größeres Risiko für eine unzureichende Jodversorgung.
  • Zu wenig Magensäure, wodurch die Nährstoffaufnahme eingeschränkt wird.
  • Nahrungsmittel mit Giftstoffen wie Fluor, Quecksilber oder Blei verbrauchen viel Jod, um diese Stoffe unschädlich zu machen. Das Gleiche gilt auch für den häufig in der Umwelt vorkommenden Stoff Brom: Wenn ein Übermaß an Brom vorhanden ist, wird Jod für die Entgiftung der Xenoöstrogene verwendet.


Wie wird ein Jodmangel festgestellt?

Vielleicht treffen einige der obengenannten Ursachen auf Sie zu? Lassen Sie von einem Arzt, Orthomolekularmediziner oder Naturheilpraktiker einen Urintest auf Jod vornehmen.


Indiz für möglichen Jodmangel

Ebenfalls ein Hinweis auf Jodmangel ist der nachfolgende Test. Reiben Sie eine golfballgroße Stelle auf Ihre Haut mit zweiprozentiger Jodlösung ein. Die Innenseite vom Oberarm, Ellenbogen oder Handgelenk ist dafür am geeignetsten. Der Test funktioniert am besten bei Menschen mit einer hellen Haut, da der Kontrast bei Menschen mit dunklem Haut viel geringer ausfällt. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kleidung nicht mit der Lösung in Kontakt kommt. Falls ein Jodmangel besteht, verschwindet die orangebraune Farbe innerhalb von zwei Stunden, manchmal bereits innerhalb von 20 Minuten. Bei einem möglichen Jodmangel, verblasst die Farbe innerhalb von 2 bis 4 Stunden. Wenn Sie ausreichend Jod zu sich nehmen, bleibt die Farbe bis 24 Stunden sichtbar. Achtung: Dieser Test gibt nur ein Indiz hinsichtlich eines möglichen Jodmangels. Der genaue Status kann selbstverständlich nur durch eine Laboruntersuchung bestimmt werden.


Wie wird ein Jodmangel aufgefüllt?

Die minimale Tagesdosis für Jod wurde für Erwachsene auf 150 Mikrogramm täglich festgelegt. Manchmal ist die Tagesdosis bereits in einem Multivitaminpräparat enthalten. Die maximale Tagesdosis (oder laut vielen Wissenschaftlern die angemessene Dosis) liegt für Schwangere und Erwachsene bei 600 Mikrogramm am Tag. Auf eigene Faust hohe Mengen Jod einnehmen, kann Schilddrüsenerkrankungen mit sich bringen. Außerdem sollen Menschen mit Kropf, Basedow-Krankheit oder Auto-Immunkrankheiten besondere Vorsicht walten lassen. Auch zu hohe Dosierungen bei Schwangeren können eine zu träge Schilddrüsenfunktion beim Baby verursachen. Menschen mit Nebennierenerschöpfung sollen ebenso mit zu hohen Dosierungen aufpassen. Die Schilddrüse oder das Jod löst zusätzliche Energie aus und die Nebennieren müssen dies auch bewältigen können. Deshalb ist es wichtig in diesem Fall zuerst die Nebennieren zu stärken. Wenn Sie Jod zu sich nehmen, nehmen Sie dann bitte auch Selen zu sich. Einige Paranüsse am Tag sind bereits eine wunderbare Selenergänzung. Übrigens Jodtabletten enthalten Jodid und werden vor allem für die Schilddrüse eingesetzt. Andere Hormone (und Brustgewebe) scheinen den größten Nutzen aus Jod in organischer Form ziehen zu können.


Pflanzliche Jodquellen im Vergleich zu Fisch

Ich glaube, dass Jod vorzugsweise über den zwei- bis dreimaligen wöchentlichen Verzehr von Meeresgemüse ergänzt werden kann. Auf Platz zwei kommt Jodsalz, aber davon sollte man nur kleine Mengen zu sich nehmen. Meeresfische (an erster Stelle Weißfische, an zweiter Stelle Meeresfrüchte) und Algen sind die besten Jodquellen. Ich bevorzuge jedoch den Verzehr von Meeresgemüse vor Meeresfischen. Weshalb? Aufgenommene Umweltgifte, die Mensch und Tier nicht ausscheiden können, werden in Körperfett gespeichert. Vor allem in fetten langlebenden Raubfischen können sich deshalb viele Umweltgifte befinden. Jod wird dann für die Entgiftung eingesetzt. Da Algen nur einen geringen Fettgehalt aufweisen, speichern sie nur sehr wenige Giftstoffe. Jod steht dann für die vitalen Körpervorgänge zur Verfügung.


Weitere günstige Eigenschaften von Meeresgemüse

Meeresgemüse ist außerdem reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Wir haben aus unterschiedlichen Gründen mit Mangelzuständen zu tun. Bodenverarmung, der hohe Verzehr von Zucker und Brot, Medikamenteneinnahme und oxidativer Stress sind allesamt Faktoren, die das Bedürfnis an Mineralstoffen erhöhen. Der Verzehr von Algen ist somit eine gute Ergänzung. Algen enthalten sogar Omega-3-Fettsäuren. Statt Fisch und Fischöl, können wir mehr Meeresgemüse bzw. Algenölkapseln zu uns nehmen, um die notwendige Omega-3-Ergänzung zu bekommen. Und ganz nebenbei schützen wir so noch die Umwelt und die Meere.


Algen nicht schmackhaft?

Wenn Sie glauben, dass Algen nicht schmecken, möchte ich Sie mit den nachfolgenden Rezepten zum Nachmachen verführen. Es sind herrliche Algen erhältlich, sowohl frische als getrocknete, in vielen Sorten und Geschmacksrichtungen. Probieren Sie es einfach aus.

Quellen:

http://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_JodStudie.html

http://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_Salzstudie.html