Übersäuerung

17 November 2014 Rineke Dijkinga 2535

Diese Woche hatte ich eine Patientin mit verschiedenen Beschwerden. Es war am Ende des Arbeitstages und ich hatte die Vermutung, dass Übersäuerung eine große Rolle in Bezug auf ihre Beschwerden spielen könnte (schmerzhafte Füße, brennende Augen, hoher Blutdruck, Müdigkeit, hoher Glukosewert, Schlafstörungen, steife Muskeln usw.).

Der pH-Wert ihres Urins lag bei 5.5. Das ist erstaunlich sauer. Könnte der Wert den ganzen Tag so gewesen sein? Der Körper kann bei solch einem geringen pH-Wert keine Funktion richtig erfüllen. Alle Funktionen im Körper sind schließlich von Enzymen abhängig. Und Enzyme können nur funktionieren, wenn der pH-Wert in Ordnung ist. Wenn Übersäuerung länger anhält, führt sie zu vielen Störungen im Körper. Die Säuren können nicht mehr abgebaut werden und landen im Gewebespeicher. Beim Begriff Übersäuerung denkt man vielleicht im ersten Moment an Gicht, Nierensteine, Harnsteine, Gallensteine und steife Glieder. Aber auch Beschwerden wie Osteoporose, Rheuma, Gefäßblockaden durch das Zusammenkleben von roten Blutkörperchen, hoher Blutdruck, Migräne, Krebs usw. werden eindeutig mit Übersäuerung in Verbindung gebracht.

PH-Störungen treten immer häufiger auf. Einerseits durch die hohe Last an säurebildender Nahrung wie Kaffee, Käse, Fleisch, Erfrischungsgetränke, Zucker, Alkohol, Nikotin u.a., aber auch durch Umwelteinflüsse. Saurer Regen ist kein unbekannter Begriff.

Vissen in vijver van Rineke DijkingaIst das auch der Grund, weshalb das Wasser in unserem Teich sich in diesem Sommer grün gefärbt hat? Jahre lang hatten wir einen wunderschönen Teich mit einem anscheinend sehr gesunden Ökosystem. Allen Pflanzen und Fischen ging es bestens und das Wasser war wunderbar klar. Bis sich das plötzlich änderte. Wir begaben uns daraufhin zu einem "Teicharzt" im Gartenfachmarkt. Zum Glück wurde uns von einem fachkundigen jungen Mann geholfen: Er ist selbst Besitzer eines Teichs mit Koi-Karpfen. Er analysierte das mitgebrachte Teichwasser und stellte fest, dass es ziemlich "krank" war. Er schlug folgende Therapie vor:

  • Das Wasser im Teich zur Hälfte leeren und anschließend mit sauberem Wasser wieder auffüllen. Das Wasser benötigt somit weniger Reparaturvermögen.
  • Eine UV-Lampe im Teich installieren, um Schwebealgen zu eliminieren. Die Lampe soll nicht zu lange an sein, da auch die guten Bakterien dadurch beseitigt werden. Ich dachte noch: "Aha, eine Art Antibiotikum“.
  • Ein Produkt genannt Maerl als pH-Puffer für den Teich. Damit das Wasser den pH-Wert besser stabil halten kann.
  • Und ein GH-Mittel, um die Wasserhärte zu verbessern und einer Übersäuerung vorzubeugen (laut Verpackung größtenteils durch sauren Regen verursacht).

Ein guter Arzt, dachte ich. Vor allem nachdem unser Teich zwei Wochen später gut aussah und die Fische herrlich darin schwammen. Es ist also doch möglich im Falle einer "Krankheit" erst das interne Milieu zu betrachten und ggf. zu justieren, bevor zu rigorosen Mitteln gegriffen wird.

Weshalb machen wir nicht das Gleiche bei den Menschen? Das war der Ausgangspunkt in einem Gespräch, dass ich diese Woche mit drei Abgeordneten der Zweiten Kammer der Generalstaaten in den Niederlanden geführt habe. Ich verstehe wirklich nicht, weshalb unsere Aufmerksamkeit der Krankheit statt der Prävention gilt. Weshalb bekommen Kinder keinen Unterricht im Fach „Gebrauchsanleitung des Körpers“? Sie verlassen die Schule reich an Wissen, jedoch nicht mit dem Wissen was der Körper an Brennstoff benötigt, um gesund zu bleiben. Und warum versuchen wir nicht bei einer Person mit einem immer höheren Nüchternblutzucker  zuerst die Ernährung umzustellen? Und weshalb lassen wir eine Person mit hohem Blutdruck oder hohem Cholesterin nicht zuerst "ihren Teich" in Ordnung bringen, eh wir mit schweren Medikamenten anfangen? Oder eine Person mit immer wiederkehrenden Entzündungen das interne Milieu ordnen? Pasteur selbst hat es auf dem Sterbebett gesagt: "Ich lag falsch, es ist nicht die Bakterie, sondern das Milieu, in dem Krankheitskeime gedeihen können."

Courgettesoep volgens Rineke Dijkinga

Wir sprachen über eine Dreiviertelstunde über dieses Thema. Ich hoffe, dass der Prävention mehr Aufmerksamkeit zuteilwird. Vorbeugen ist besser als heilen. Das sollte doch Musik in den Ohren jedes Staates sein? Nicht nur finanzielle Vorteile können dadurch erzielt werden. Auch weniger Leid wäre die Folge.

Mit einer Gemüsesuppe zu Mittag liefern Sie Ihrem Körper viele Basenbildner.