Megaställe und Wohlbefinden

19 November 2014 Rineke Dijkinga 1800

Gestern fand im wunderschönen Dorf Sellingen in den Niederlanden eine Demonstration gegen den Bau von Megaställen statt.

Die Demo wurde von den niederländischen politischen Parteien "Partij voor de Dieren"  und "Groen Links" organisiert.

In Kürze werden in der Provinz Groningen etwa 1800 Kühe und Jungvieh in einem Stall untergebracht, mitten in einem schönen Naturgebiet, das sowohl von den Bewohnern als auch von ruhesuchenden Touristen sehr geschätzt wird. In der Provinz Brabant  hatte der Produzent keine Möglichkeiten zu expandieren. Deshalb wird in der unberührten Natur in Westerwolde gebaut, wo wir (jetzt noch) die sauberste Luft in den Niederlanden haben. Sehr schade, dass Politiker nicht einsehen, dass mit dem Bau von Megaställen auch Bewohner, Touristen und Naturliebhaber abgeschreckt werden.

Aber darum geht es mir in diesem Artikel eigentlich nicht nur. Der Zufall will, dass gestern auch das Ergebnis einer unter Schülern durchgeführten Studie veröffentlicht wurde. Das Thema der Studie ist Übergewicht in Beziehung zum Angebot an "dickmachenden" Nahrungsmittel. Fazit Nummer 1 war, dass das Angebot an gesunder Nahrung größer werden müsse. Und Fazit Nummer 2 war, dass der Preis von gesunder Ernährung unter dem von ungesunden Nahrungsmitteln liegen sollte. Im Moment müssen die Schüler nämlich mehr für einen Apfel als für einen Schokoriegel zahlen. Angebot und Preis bestimmen mit was wir essen. Die Nahrungsmittelindustrie behauptet immer, dass "wir bieten, was der Konsument verlangt". Unsinn! Es ist schwierig gesunde Snacks zu kaufen. Also verzehren wir was die Industrie uns vorsetzt.

Aber zurück zu den Megaställen: Vielleicht sollten wir die Politik der Jugend überlassen. Sie versteht wenigstens worum es geht: Ungesundes, billiges Essen sollte nicht mehr angeboten werden. Das heißt auch kein Fleisch und keine Molkereiprodukte aus Megaställen.

Wer glaubt, dass die Massentierhaltung nur den Tieren schadet, liegt falsch. In Ställen mit großen Mengen Tieren werden sowohl präventiv als auch kurativ viele Antibiotika eingesetzt. Wie sollte es auch anders in einem Betrieb mit 1800 Tieren sein? Das Risiko, dass die Tiere krank werden könnten, muss doch erheblich sein? Da in der intensiven Viehhaltung große Mengen Antibiotika verwendet werden, kommt es immer häufiger vor, dass Mensch und Tier dagegen resistent werden.

Und wussten Sie, dass das Fleisch früher viel mehr Eiweiß enthielt und jetzt hauptsächlich Fett? Das gilt auch für industriell produziertes Hühnerfleisch. Tiere, die sich nicht bewegen, bilden nämlich (gesättigtes) Fett statt Muskeln. Muskeln bestehen zu einem Großteil aus Eiweiß. Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass viele gesättigte Fette die Gesundheit nicht fördern. Eiweiße dagegen sind für die Gesundheit außerordentlich wichtig. 

Und haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass die Kühe früher weideten und nicht (fast) den ganzen Tag im Stall standen und Kraftfutter aßen?  In Folge dessen ist die Nährstoffzusammenstellung von Fleisch und von Molkereiprodukten auch eine andere. Nahrung von weidenden Tieren enthält nämlich den Stoff CLA. Diesen Stoff bringt die Nahrungsergänzungsindustrie als teure Schlankheitspille auf den Markt, da der Stoff CLA das Entstehen von Bauchfett hemmt. Auch enthalten Fleisch und Molkereiprodukte von weidenden Tieren bis 60% mehr Omega-3-Fettsäuren. Diese Fettsäuren sind sehr gesund und entzündungshemmend. Nahrungsmittel von Tieren aus Stallhaltung enthalten jedoch viel mehr Omega-6-Fettsäuren, die entzündungsfördernd sind!

Auch Ekzeme bei Kleinkindern kommen zu 30% weniger vor, wenn sie Molkereiprodukte aus Bio-Anbau zu sich nehmen. Überhaupt sind Molkereiprodukte von Kühen nicht wirklich empfehlenswert, wenn es um die Gesundheit geht.

Vielleicht ist das Thema "Tierschutz" für viele Menschen nicht greifbar genug. Eine andere Möglichkeit, Megaställe zu verhindern, ist, sich für die eigene Gesundheit und die unserer Kinder zu entscheiden.  Die Entscheidung fällt leichter, wenn die gesundheitlichen Folgen durch den Verzehr industriell hergestellter Nahrungsmittel aufgezeigt werden.

Ich weiß jetzt bereits, was die Gegner sagen werden: Wir müssen weiterhin große Betriebe gründen, um den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu decken. Aber weniger Fleisch und weniger tierische Produkte sind für die Gesundheit ein Segen. Wir sollten einfach weniger davon essen. Und wenn wir sie essen, dann als Produkte aus Bio-Tierhaltung.

Abschließend eine, meiner Meinung nach, passende Weisheit von Mahatma Gandhi:

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.

Gandhi